Der Blog zum wohngesunden Bauen

14. August 2011

Schlimmer als die Polizei erlaubt …

Filed under: Gesundheit, Kommune, Neubau — Schlagwörter: , , , , — admin @ 06:25

… waren die innenraumhygienischen Zustände im Polizeipräsidium Trier bis eine fast 6jährige Schadstoff-Odyssee im Jahr 2011 zu einem glücklichen Ende kam.

Ein Blick zurück :

2005_______

Eine Trierer Zeitung berichtet erstmalig über den Fall – hier heißt es u.a. “60 der 300 Mitarbeiter klagen seit Monaten über Gesundheitsbeschwerden wie Hautreizungen oder blutige Nasenschleimhäute, die nur dann auftauchen, wenn die Betroffenen arbeiten”.

Die Beamten dürfen umziehen – und so lautet die Berichterstattung 4 Monate später : Seit ein Teil der rund 300 Mitarbeiter im alten Trierer Polizeipräsidium Mitte des Jahres in ein eigens angemietetes Ausweichquartier in der Güterstraße gezogen ist, geht es den Kripo-Leuten deutlich besser. Rund 90 von ihnen hatten zuvor über teilweise massive Gesundheitsbeeinträchtigungen geklagt. Diese reichten von blutigen Nasenschleimhäuten über Augenbrennen, Schwindel, Zusammenbrüche und schwere Entzündungen bis hin zu Hautaufplatzungen, Kurzatmigkeit oder irreparabelen Bronchienschädigungen.

Kurze Zeit später werden die Auslöser für das o.g. breite Spektrum gefunden und in einem weiteren Artikel umfassend beschrieben:
“Die Ursachen für Gesundheitsschäden von rund 60 Beamten im alten Polizeipräsidium in Trier sind gefunden, teilte der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) in Mainz mit. Ein wahrer Cocktail aus “chemischen, physikalischen, biologischen, arbeitsplatzbezogenen Faktoren und Empfindlichkeiten einzelner Personen” soll ursächlich dafür sein, dass rund 60 Beamte des alten Trierer Polizeipräsidiums unter Ausschlägen, Augenreizungen und Halsentzündungen gelitten haben, teilt der Geschäftsführer der LBB, Hubert Heimann, mit. Insbesondere der Linoleumboden in Verbindung mit einer falschen Behandlung und Verwendung von Reinigungsmitteln sei schuld an den Erkrankungen der Polizisten. Aber auch übermäßiger Staub und ein schlechtes Raumklima im Sommer und Winter mit zahlreichen Computern, Druckern und Kopierern hätten Augen, Nase, obere Atemwege und Haut der Betroffenen gereizt. In den Räumen, in denen besonders viele Polizisten krank geworden waren, haben den Angaben zufolge auch Pflanzen gestanden, die wie etwa die Birkenfeige allergisierende Stoffe freigesetzt hätten, teilte die LBB als Besitzer des Hochhauses mit. Das mehrstöckige Gebäude werde nun erneut umfassend saniert. Die Höhe der Kosten sei unklar.

Nach der erfolgreichen Ursachenforschung gibt es nun eine erste Kostenabschätzung unter der Überschrift “Millionengrab Bullenwürfel“:
“Immerhin: Der lange vergeblich gesuchte Grund für die Massenerkrankungen scheint gefunden, nachdem Umweltmediziner der Uni Aachen alle Mess- und Untersuchungsergebnisse gesichtet und bewertet haben. Dummerweise gibt es allerdings nicht nur einen vermeintlichen Verursacher, sondern gleich ein halbes Dutzend. Nach Ansicht des Umweltmediziners ist ein Ursachen-Mix aus den “Zutaten” Boden, Reinigungsmittel, Staub, Raumklima, unergonomische Bildschirmarbeitsplätze, Allergien auslösende Pflanzen und Lärm schuld an der Erkrankungswelle unter Triers Polizisten.

Da hilft offenbar nur noch eine Generalsanierung des gerade erst mit Millionenaufwand Asbest- und PCB-befreiten Hübsch-hässlich-Baus. Geschätzte Kosten: rund 15 Millionen Euro. Ein Abriss des “Bullenwürfels” samt Neubau werde den Steuerzahler dagegen rund 30 Millionen Euro kosten, schätzt Ingo Penkwitt vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung.”

2006_______

Die Suche geht weiter – diverse Gutachter und Gutachten kommen teils zu gleichlautenden aber auch widersprüchlichen Ergebnissen. Ist es nun der  Linoleum – Fussboden ? Ist es die Reinigung des Fussbodens ? Ist es beides ? Ausführliche Informationen gibt es wiederum im entsprechenden Bericht.

“Endlich” tritt auch die Politik – einzelne Fraktionen fordern Aufklärung. Und auch die Personalräte der Polizei positionieren sich eindeutig zu dem Fall.

“Personalräte: “Sanierung auf Verdacht fatal”
Derweil melden sich die Personalräte der Polizei zu Wort und betonen, aus ihrer Sicht sei “bei völlig unklarer Ursachenlage eine Sanierung auf Verdacht fatal”. Nach ihrer Überzeugung sei das Präsidium “nicht mehr für den ständigen Aufenthalt von Büroarbeitskräften geeignet”.
Sie begründen das damit, die Gutachter hätten “eine Vielzahl von Giftstoffen nachgewiesen”, und zwar nicht nur beim Bodenbelag, sondern teilweise auch in einem auf den Wänden aufgebrachten Sperranstrich. Die Konzentration dieser Schadstoffe bewege sich zwar, einzeln betrachtet, unter den teils gesetzlich festgelegten Grenzwerten, doch sei die Summe der Giftstoffe gefährlich.”

2011_______

Nach fünf Jahren endlich die Erfolgsmeldung :

“Die Kriminaldirektion der ältesten Stadt Deutschlands hat ein neues Dienstgebäude: Am Freitag wurde das Gebäude in direkter Nähe des Trierer Hauptbahnhofs eingeweiht.
Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Post war vom Land Rheinland-Pfalz mit 7,4 Millionen Euro umgebaut worden.”

 

Unser Resümee_______

Ca. 90 Beamte mit teilweise schwersten gesundheitlichen Symptomen, zahllose Gutachten und Gutachter und ein Neubau für 7,4 Mio. Euro.
Ein Neubau der NACH einer ebenfalls millionenschweren “Fehlsanierung” des ursprünglichen Gebäudes notwendig wurde.
Ganz zu schweigen von den vielen “unsichtbaren” Kosten, die über die 5 Jahre aufgelaufen sind – und die zahllosen Nerven aller Beteiligten.

Mit Vorausschau und einem begleitenden innenraumhygienischen Qualitätsmanagement-Konzept wäre dies mit hoher Wahrscheinlichkeit vermeidbar gewesen. Leider bemerken wir in unserer tagtäglichen Arbeit, dass oftmals noch nach dem Motto “Wird schon gut gehen” gearbeitet wird.

Und bei zahlreichen Gebäude die jede Woche fertiggestellt werden werden auch keine innenraumhygienischen Belastungen festgestellt – weil sie nicht gemessen werden. Und es auch viele Gebäude gibt, bei denen erfahrene Bauleiter und qualitätsbewusste Handwerker ein “glückliches” Händchen haben und eine gute Innenraumluftqualität entsteht.

Doch eine gute Luftqualität in Innenräumen sollte kein Zufall sein – denn auch kein Autokäufer will ein “Montags-Auto” haben – und doch geschieht dies trotz eines umfangreichen Qualitätsmanagements in der Automobilindustrie auch immer wieder.

Nach dem Sentinel-Konzept arbeiten heißt weniger dem Zufall überlassen und gezielt mit klaren Schritten eine überprüfbar gute Innenraumluftqualität nach Baufertigstellung anzustreben – vor allem wenn es um das Wichtigste geht was wir haben … unsere Gesundheit !

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